„Ich konnte eine beeindruckende Reduktion der Taschensondierungstiefen und einen klinischen Attachmentgewinn erzielen.“
Interview mit Prof. Francesco Cairo, geführt von Turgut Gülay und Verena Vermeulen
Prof. Cairo, Sie setzen REGENFAST® seit einiger Zeit bei der Behandlung von intraossären Defekten ein und haben nun Patient:innen mit einer Nachbeobachtungszeit von zwei Jahren. Wo sehen Sie die größten Vorteile?
Prof. Cairo: Es gibt mehrere. REGENFAST® beschleunigt die Wundheilung eindeutig. Die Heilung nach Parodontalchirurgie ist schneller als bei herkömmlichen Lappenoperationen. Außerdem habe ich beeindruckende Reduktionen der Sondierungstiefen und klinische Attachmentgewinne erzielt – in einigen Fällen bis zu 5 mm. Aber wir stehen erst am Anfang, daher sollten wir unsere Erwartungen mit Vorsicht betrachten.¹
Wann verwenden Sie REGENFAST® allein, und wann in Kombination mit Geistlich Bio-Oss®?
Ich verwende REGENFAST® allein in tiefen, umschlossenen Defekten – entsprechend den EFP-Leitlinien.² In nicht-umschlossenen Defekten kombiniere ich es mit Geistlich Bio-Oss®. Je größer der Defekt und je weniger Knochenwände vorhanden sind, desto wichtiger ist Geistlich Bio-Oss® als Gerüst. Bisher habe ich REGENFAST® nicht in Taschen mit überwiegendem horizontalem Knochenverlust getestet.
Haben Sie es auch in anderen Indikationen getestet?
Bisher habe ich mich auf intraossäre Defekte konzentriert, kann mir aber auch den Einsatz bei Furkationsdefekten vorstellen. Laut Leitlinien gibt es bei Furkationsdefekten Grad II eine Indikation für regenerative Konzepte.¹ Die Evidenz basiert bisher auf der Kombination von Schmelzmatrixproteinen mit Geistlich Bio-Oss®. Hier könnte sich ein neues Anwendungsfeld eröffnen.
Darüber hinaus könnte die Fähigkeit von REGENFAST®, mit Knochenzellen zu interagieren, es auch für GBR-Verfahren interessant machen. Erste Kolleg:innen arbeiten bereits in diesem Bereich.
Wie sind Sie ursprünglich auf REGENFAST® aufmerksam geworden?
Das Produkt hat einen starken Hintergrund in der Dermatologie, insbesondere bei der Wundheilung. 2019 habe ich erstmals davon gehört. Präklinische Studien zeigten vielversprechende Ergebnisse hinsichtlich der Interaktion mit Fibroblasten und Knochenzellen.³ Das machte mich neugierig, und ich habe spekuliert, dass es auch im parodontalen Gewebe wirksam sein könnte. Intraossäre Defekte stellen eine sehr anspruchsvolle Situation dar, da hier sowohl neuer Knochen als auch neues Parodontalligament gebildet werden muss. Zum Vergleich: Sinuslift ist deutlich einfacher, aber daher weniger aussagekräftig für das regenerative Potenzial eines Produkts.
Gibt es Tipps für Kolleg:innen, die gerade mit REGENFAST® beginnen?
Natürlich. Das Produkt ist zwar leicht anzuwenden, aber die richtigen biologischen Bedingungen sind entscheidend. In meiner Erfahrung funktioniert REGENFAST® sehr gut, wenn gleichzeitig eine saubere regenerative Parodontalchirurgie durchgeführt wird – mit Vergrößerung, feinen Instrumenten, sehr dünnen Nähten, sorgfältigem Wundverschluss und exakter Plaquekontrolle. Ein gutes Produkt kann diese Schritte nicht ersetzen.
In Kombination mit Geistlich Bio-Oss® in intraossären Defekten: den ersten Tropfen immer auf die Wurzeloberfläche geben, eine weitere Portion auf das Biomaterial, um eine klebrige, aber nicht zu flüssige Konsistenz zu erhalten. Zu viel macht das Material schwer applizierbar.
Die Wurzeloberfläche muss sehr sauber und blutfrei sein. Ich verwende jedoch kein EDTA-Conditioning, wie bei Schmelzmatrixproteinen.
Warum ist für Sie eine neue Lösung interessant?
Ich bin klinischer Forscher – mein Ziel ist es, die klinische Praxis zu verbessern. Wir kennen die Grenzen der parodontalen Regeneration mit den bisherigen Produkten. Mit Schmelzmatrixproteinen arbeite ich seit 20 Jahren. Aber von einer neuen Lösung wie REGENFAST® erhoffe ich mir vor allem:
- eine höhere Vorhersagbarkeit der Ergebnisse
- und eine größere Fähigkeit der Behandler:innen, parodontale Regeneration erfolgreich durchzuführen.
Referenzen
Prof. Francesco Cairo
Parodontologie und Implantologie;
Leiter der Forschungseinheit für Parodontologie und Parodontalmedizin;
Direktor des Vollzeit-Masterstudiengangs für Parodontologie an der Universität Florenz, Italien