Offene Heilung von Extraktionsalveolen mit Geistlich Bio-Gide®
Bei der Open-Healing-Technik wird ein augmentierter Alveolarkamm mit einer resorbierbaren Kollagenmembran abgedeckt, die während der Heilung bewusst exponiert bleibt. Ziel ist es, eine ausgedehnte Lappenmobilisation und damit verbundene Morbidität zu vermeiden sowie die natürliche Architektur von Hart- und Weichgeweben um das Implantat herum zu erhalten.
Retrospektive Studie¹
In einer retrospektiven Untersuchung von Dr. Alecsandru Ionescu (DDS, PhD) erhielten 40 konsekutiv rekrutierte Patient:innen unmittelbar nach atraumatischer Extraktion insgesamt 42 Tissue-Level-Implantate. Der Alveolenspalt wurde mit einem Knochenersatzmaterial aufgefüllt und mit einer resorbierbaren Kollagenmembran oder einer PRGF-Fibrinmembran abgedeckt.
Verwendete Biomaterialien:
- Knochenersatzmaterialien: Geistlich Bio-Oss® (n = 31), Geistlich Bio-Oss® + PRGF (n = 3), Copios® (n = 7), kein Graft (n = 1)
- Membran: Geistlich Bio-Gide® (n = 18), Histoacryl® (n = 19), PRGF (n = 3), keine Membran (n = 2)
Die Nachbeobachtung erfolgte über 4 Jahre. Bewertet wurden das krestale Knochenlevel um die Implantate sowie Entzündung, Schwellung, Schmerz und sekundäre Weichgewebsheilung.
Ergebnisse
- Das Open-Healing-Protokoll ermöglichte komplikationsfreie Heilung und Knochenneubildung bei simultaner Sofortimplantation.
- CBCT-Scans zeigten stabile Knochendimensionen sowohl nach 2 als auch nach 4 Jahren, mit Knochenvolumenerhalt von 98,9 ± 0,7 % bzw. 98,1 ± 0,9 % im Vergleich zum Ausgangswert.
- Keine signifikanten Unterschiede hinsichtlich Stabilität des krestalen Knochenlevels zwischen den verschiedenen Augmentationsmaterialien.
- Nach 4 Jahren lag die Implantatüberlebensrate bei 100 % und die Implantaterfolgsrate (Implantat in Funktion) bei 95,2 %. Zwei Patient:innen benötigten nach 6 Monaten zusätzliche Augmentation.
Schlussfolgerung
„Die Sofortimplantation in frische Extraktionsalveolen mit Tissue-Level-Implantaten, geeigneten Augmentationsmaterialien und Membranen im Open-Healing-Protokoll erlaubt eine komplikationsfreie Heilung, vorhersagbare ästhetische Ergebnisse und geringeres chirurgisches Trauma im Vergleich zu konventionellen Lappentechniken. […] Die Behandlungszeit wird durch weniger Sitzungen verkürzt, die Gesamtdauer reduziert und die Struktur von Hart- und Weichgeweben bleibt erhalten – einschließlich der Möglichkeit, eine fehlende bukkale Knochenlamelle zu regenerieren.“
Interview with Dr. Alecsandru Ionescu
Interview mit Dr. Alecsandru Ionescu
Dr. Ionescu, warum haben Sie diese Studie durchgeführt?
Ich habe das Konzept des „Open Healing“ über Dr. Georg Taffet kennengelernt und seit 2007 in meiner Praxis etabliert. Ab 2013 begann ich, zu minimal-invasiven Verfahren und Open Healing zu referieren. Da es in der Literatur damals wenig dokumentiert war, habe ich eine Studie initiiert, die später Teil meiner Promotion wurde.
Was versteht man unter „Open Healing“? Welche klinischen Vorteile bringt die Methode?
Open Healing ist ein minimal-invasives Verfahren, das auf dem biologischen Prinzip basiert, das Periost durch Vermeidung von Inzisionen und Lappenpräparation zu schonen. Das Periost dient nicht nur als Barriere, sondern auch als Reservoir mesenchymaler osteogener Zellen, entscheidend für die Knochenregeneration sind.
Klinische Vorteile:
- Erhalt der Alveole mit weniger Knochenremodeling.
- Bessere Ästhetik durch Verzicht auf Inzisionen.
- Bessere Weichgewebsheilung, da die Gefäßversorgung am Übergang von Knochen und Periost intakt bleibt.
- Erhalt der befestigten Gingiva (ideal in der ästhetischen Zone und an lateralen Kieferkämmen).
Zusammengefasst: Wir erhalten die Struktur von Hart- und Weichgeweben, reduzieren Komplikationen und vermeiden zusätzliche Augmentationen oder mukogingivale Chirurgie.
Und die Patient:innen?
Der unmittelbare Vorteil ist höherer Komfort intra- und postoperativ. Morbidität durch Mukoperiostlappen, Eigengewebsentnahmen und umfangreiche Augmentationen wird vermieden. Dadurch sind Schwellung und Schmerz geringer, die Heilung komplikationslos, und Implantatinsertionen können häufig lappenlos erfolgen. Wichtig ist allerdings, dass Patient:innen die genauen Anweisungen und Nachsorgetermine einhalten.
Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie für den Einsatz von Geistlich Bio-Gide®?
Von allen untersuchten Biomaterialien erzielten wir mit Geistlich Bio-Gide® in Kombination mit Geistlich Bio-Oss® die zuverlässigsten Ergebnisse und den besten Knochenerhalt. Geistlich Bio-Gide® schützt die Wunde während der sekundären Heilung zuverlässig. Für unser Team sind diese Biomaterialien der „Goldstandard“ im Open-Healing-Protokoll.
Welchen Einfluss haben Ihre Ergebnisse auf die tägliche Praxis?
Die Studie bestätigt, dass den biologischen Mechanismen beim Open Healing vertraut werden kann. Es ist ein einfacher, vorhersagbarer Ansatz, der Komplikationen vermeidet, Interventionen reduziert, Behandlungszeit sowie Materialeinsatz und damit auch Kosten senkt. Zudem steigert er das Vertrauen und den Komfort von Patient:innen und Behandlungsteam.
Ist Open Healing nur etwas für erfahrene Chirurgen?
Nein, es ist ein klar strukturiertes, biologisch fundiertes Verfahren und für Einsteiger gut geeignet. Wird das Protokoll korrekt befolgt, können auch weniger erfahrene Behandler:innen sehr gute Ergebnisse erzielen. Mein Tipp: Schnelle Extraktionen und hastige Handgriffe machen uns nicht zu guten Chirurgen. Besser ist es, mit Ruhe, atraumatisch und spannungsfrei zu arbeiten. Das Ergebnis spricht für sich.
Referenzen
- Ionescu A et al. Stoma Edu J 2019; 6(1): 36-41. (Clinical Study)
Dr. Alecsandru Ionescu
Oralchirurg;
Private Zahnklinik, Forschungs- und Ausbildungszentrum aesthetics ONE in Bukarest