Sofortige Versorgung eines Unterkiefermolaren

Ein Fallbericht von Dr. Peter Hunt
Dr. Peter Hunt · United States · 17. November 2021

BioBrief - Gesteuerte Knochenregeneration um Implantate

Die Ausgangssituation 

Der hier dargestellte Fall ist durchaus typisch: ein nicht erhaltungswürdiger Unterkiefermolar mit vertikaler, subossärer Fraktur. 
Traditionell umfasst der Ersatzprozess drei oder mehr chirurgische Eingriffe (Extraktion und Regeneration), (Implantatinsertion), (Freilegung im Zweiteingriff) und erstreckt sich über mehr als ein Jahr Behandlungsdauer. 


Der Behandlungsansatz 

Schonende Zahnextraktion und Vorbereitung der Alveole

Der sofortige Ersatz eines Molaren erfordert eine atraumatische Extraktion, eine sorgfältige Socket-Debridierung sowie die Präparation eines Implantatkanals in idealer Position. 

Implantatsetzung und Augmentation

Das Implantat wird in diesen Knochenkanal inseriert, wobei die Implantatschulter leicht unterhalb des Niveaus der Alveolenwände positioniert wird. Eine ausreichende Primärstabilität ist essenziell.

Bone Grafting and Soft Tissue Management

Ein Defizit im Kanalbereich wird mit Geistlich Bio-Oss Collagen® augmentiert. Dieses wird mit einer Kollagenmatrix (Geistlich Mucograft®) abgedeckt, deren Ränder unter die Gingivasaumkanten eingebracht und mit Gewebekleber versiegelt werden. 

Operative Schritte

Präoperative Röntgenaufnahme und DVT (CBCT) zur Darstellung des betroffenen Zahnes. 

Implantatbettpräparation mittels Pilotbohrer im Bereich der mesialen Wurzel, anschließend Aufrichten und vollständige Sequenz. 

Insertion eines Camlog® 5,0 × 11 mm Implantats, Plattform leicht subkrestal positioniert. 

Einbringen eines 4,0 mm hohen zylindrischen Gingivaformers; anschließend Einbringen von 250 mg Geistlich Bio-Oss Collagen® in den residualen Extraktionsalveolenraum. 

Anpassung von Geistlich Mucograft® und Einbringen unter den Gingivarand. 

Adaptation der Gingivaränder mit 4-0 Teflon-Nähten (Cytoplast™, Osteogenics), anschließend Abdeckung mit PeriAcryl® 90 Gewebekleber. 

Nach 4 Monaten: Emergenzprofilgestaltung. 

Definitive Versorgung mit einteiliger, verschraubter Zirkonoxidkrone auf Camlog® Titanbasis-Abutment. 


Das Ergebnis 

Dieses einzeitige Ersatzprotokoll hat sich als einfach, sicher und hoch effektiv erwiesen – vorausgesetzt, die Alveole ist vollständig degranuliert, das Implantat weist ausreichende Stabilität auf und wird in der frühen Heilungsphase nicht belastet. 

Vorteile des Vorgehens: 
- Sofortige Einbringung eines Gingivaformers statt Verschlussschraube
- Auffüllen der Restalveole mit Geistlich Bio-Oss Collagen® 
- Abdeckung mit Geistlich Mucograft® 
- Kein Lappenverschluss zur vollständigen Deckung notwendig 

Nach etwa 3 Monaten ist die Heilung weit fortgeschritten und die Situation bereit zur Emergenzprofilgestaltung – ein inzwischen routinemäßiges Vorgehen. 


Kurz zusammengefasst 

Meine Biomaterialien: 

Geistlich Bio-Oss Collagen® 
- Hervorragende Handhabung 
- Optimierte Heilungseigenschaften durch Zusatz von 10 % Kollagen zu den ursprünglichen Bio-Oss®-Granulaten 

Geistlich Mucograft® 
- Speziell für die Weichgeweberegeneration entwickelt 
- Matrixeigenschaften ermöglichen Defektverschluss 
- Stabilisiert das Knochenersatzmaterial 
- Offene Einheilung bei gleichzeitiger Zellinfiltration möglich

Schlüsselfaktoren für den Erfolg 

  • Atraumatische Extraktion 
  • Gründliche Degranulation und Debridierung 
  • Ausreichende Implantatstabilität 
  • Subkrestale Positionierung der Implantatschulter 
  • Verwendung eines 4,0 mm Gingivaformers 
  • Augmentation mit Geistlich Bio-Oss Collagen® und Abdeckung mit Geistlich Mucograft® 
  • Keine Frühbelastung 

Dr. Peter Hunt

Parodontologe, University of Pennsylvania, Philadelphia, PA