Ridge Preservation in der Forschung: Was die Evidenz zeigt

Vorhersagbare Ergebnisse nach Zahnextraktion
von Geistlich · Switzerland · 04. Dezember 2025
Die Ridge Preservation spielt in der modernen Implantologie eine Schlüsselrolle. Biomaterialien wie xenogene Knochenersatzmaterialien und resorbierbare Membranen helfen, die Kammkontur zu erhalten und den Bedarf an komplexen GBR-Maßnahmen zu reduzieren.

Zentrale Erkenntnisse

  • Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass die Ridge Preservation signifikant zur Sicherung der Kammkonturen beiträgt.1-3
  • Xenogene Knochenersatzmaterialien in Kombination mit resorbierbaren Membranen stabilisieren Extraktionsalveolen effektiv.2,4,5
  • Die Guided Bone Regeneration (GBR) bleibt bei größeren Defekten unverzichtbar, eine frühzeitige Ridge Preservation kann jedoch den Bedarf an komplexen Augmentationen deutlich reduzieren.1-3
  • Porzine Kollagenmatrices können die Weichgewebsheilung im Vergleich zu autologen Transplantaten verbessern.1,5
  • Im posterioren Oberkiefer reduziert die Socket Preservation die langfristige Pneumatisation der Kieferhöhle und kann die Implantatsetzung vereinfachen.3
  • Langzeitdaten zeigen stabile Knochenverhältnisse und günstige ästhetische Ergebnisse.1


Ridge Preservation: Warum sie klinisch relevant ist

Nach einer Zahnextraktion beginnt der Knochenumbau unmittelbar. Ohne therapeutische Intervention können innerhalb der ersten sechs Monate bis zu 50 % der Kammbreite verloren gehen, was die spätere Implantatplanung erheblich erschwert.1,2 Die Socket- oder Ridge Preservation hat sich daher als essenzieller Schritt für vorhersagbare implantologische Ergebnisse etabliert.

Moderne Biomaterialien wie xenogene Knochenersatzmaterialien und Barrieremembranen haben das Management von Extraktionsalveolen grundlegend verändert.1,2 Die hier zusammengefassten klinischen Studien liefern eine starke Evidenz dafür, dass diese Verfahren sowohl funktionelle als auch ästhetische Ergebnisse verbessern.1-5


Ridge Preservation ist der spontanen Heilung überlegen

Die Literatur zeigt konsistent, dass die Socket Preservation den Knochenverlust deutlich reduziert. Systematische Übersichtsarbeiten belegen signifikant geringere vertikale und horizontale Dimensionsveränderungen im Vergleich zur unbeeinflussten Heilung.⁶˒⁷ Cardaropoli et al. (2012) zeigten eine um 1,08 mm bessere Erhaltung der vertikalen Knochenhöhe nach Socket Preservation (0,46 mm Knochenverlust) im Vergleich zur spontanen Heilung (1,54 mm Knochenverlust).2

Diese numerisch scheinbar kleinen Unterschiede haben einen erheblichen Einfluss auf nachfolgende chirurgische Schritte und können den Bedarf an invasiver GBR häufig vermeiden.2,3

Klinische Daten zeigen eindeutig, dass die alveoläre Ridge Preservation zu einem signifikant geringeren Verlust des Alveolarkamms führt als die spontane Heilung. Die Schlussfolgerung ist klar: Nicht zu intervenieren ist die am wenigsten vorhersagbare Option.2,8


Xenogene Knochenersatzmaterialien in der Ridge Preservation

Xenogene Knochenersatzmaterialien – insbesondere deproteinisiertes bovines Knochenmineral (DBBM, z. B. Geistlich Bio-Oss®) sowie die kollagenangereicherte Variante (DBBM-C, z. B. Geistlich Bio-Oss® Collagen) – zählen zu den am häufigsten untersuchten Materialien in der Socket Preservation. Diese Materialien zeigen konsistent Eigenschaften, die zur Stabilisierung der Extraktionsalveole und zur Unterstützung der Heilung beitragen.1,5


Warum DBBM so häufig eingesetzt wird

  • wirkt als langsam resorbierendes Gerüst (Scaffold)2,4
  • erhält die Kammkontur2
  • unterstützt die Knochenneubildung1,2,4
  • zeigt eine hohe Langzeitstabilität1

Die klinischen und histologischen Untersuchungen von Cardaropoli zeigten, dass DBBM-Partikel vollständig in den neu gebildeten Knochen integriert werden und die Kammbreite bei minimalem Remodeling erhalten bleibt. Es wurden keine Entzündungsreaktionen um die Partikel beobachtet, was die hohe Biokompatibilität des Materials unterstreicht.2


Langzeitstabilität

Eine klinische Studie aus dem Jahr 20241 mit einer Nachbeobachtungszeit von über sieben Jahren zeigte:

  • 100 % Implantatüberlebensrate
  • nahezu keinen marginalen Knochenverlust
  • hoher Pink Esthetic Score

nach Socket Preservation mit Geistlich Bio-Oss® Collagen und Geistlich Mucograft® Seal.

Diese Ergebnisse unterstreichen die langfristige Stabilität von Hart- und Weichgewebe nach Ridge Preservation mit diesem Protokoll und belegen, dass über viele Jahre hinweg vorhersagbare periimplantäre Verhältnisse erzielt werden können.


Barrieremembranen und Kollagenmatrices verbessern die Heilung

Ein zentraler Bestandteil einer erfolgreichen Socket Preservation ist die Barrieremembran, die das Augmentat schützt und die Geweberegeneration lenkt.4

Native Kollagenmembranen vs. vernetzte Membranen

Eine multizentrische randomisierte kontrollierte Studie4 verglich DBBM-C (Geistlich Bio-Oss® Collagen) + native bilagige Kollagenmembran (Geistlich Bio-Gide®) mit einem Allograft + vernetzter Kollagenmembran.

Die Gruppe mit DBBM-C und nativer Kollagenmembran zeigte:

  • signifikant besserer Erhalt der Kammbreite
  • bessere Weichgewebsheilung
  • weniger Dehiszenzen
  • keinen Bedarf an erneuter Augmentation bei Implantatsetzung

Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass native Kollagenmembranen schneller integrieren und günstigere chirurgische Resultate ermöglichen.4

Porzine Kollagenmatrices für die offene Heilung

Porzine Kollagenmatrices (z. B. Geistlich Mucograft® Seal) stellen eine moderne Alternative zu autologen Weichgewebstransplantaten dar. Eine klinische Studie von Fickl et al. zeigte5:

  • bessere Farbangleichung
  • deutlich weniger Narbenbildung
  • keine zweite Entnahmestelle im Vergleich zu palatinalen Punch-Grafts
  • geringere Kosten

Zusammenfassend belegen diese Ergebnisse, dass porzine Kollagenmatrices das ästhetische Erscheinungsbild der abgeheilten Areale verbessern und gleichzeitig eine zweite chirurgische Wunde vermeiden – ein klarer Vorteil für minimalinvasive Therapiekonzepte im Praxisalltag.5


Guided Bone Regeneration (GBR) vs. Ridge Preservation: Wo liegt der Unterschied?

Während die GBR bei fortgeschrittenen Defekten unverzichtbar bleibt, reduziert die Ridge Preservation den Bedarf an GBR zum Zeitpunkt der Implantatsetzung erheblich.2,6

Ridge Preservation

  • erfolgt unmittelbar nach der Extraktion
  • erhält das Knochenvolumen
  • kann spätere Augmentationen häufig vermeiden

Guided Bone Regeneration (GBR)

  • erfolgt nach eingetretenem Knochenverlust
  • erfordert größere Mengen an Augmentationsmaterial
  • ist techniksensitiver
  • invasiver und kostenintensiver

Klinische Studien zeigen, dass eine frühzeitige Socket Preservation spätere chirurgische Eingriffe vereinfacht und zu besser planbaren Implantationen führt.2,6,8


Ridge Preservation wirkt Sinuspneumatisation im posterioren Oberkiefer entgegen

Eine randomisierte kontrollierte Studie3 zeigte, dass Ridge Preservation mit einem xenogenen Knochenersatzmaterial (Geistlich Bio-Oss® Collagen) und einer Kollagenmembran (Geistlich Bio-Gide®):

  • die vertikale Knochenhöhe erhielt
  • eine zunehmende Pneumatisation der Kieferhöhle verhinderte
  • in 42,9 % der Fälle eine Implantation ohne Sinusaugmentation ermöglichte verglichen mit 0 % in der Kontrollgruppe

Dies liefert eine starke Evidenz für den Nutzen der Ridge Preservation im posterioren Oberkiefer, wo die Sinuspneumatisation die Implantatplanung traditionell erschwert.3


Offene Heilung bei Ridge Preservation: effektiv und mit geringerer Morbidität

Moderne Konzepte der Socket Preservation favorisieren zunehmend offene Heilungsverfahren, bei denen die Barrieremembran oder Kollagenmatrix bewusst exponiert bleibt.2,9

Vorteile

  • Verzicht auf Lappenmobilisation
  • Erhalt der keratinisierten Mukosa
  • geringere chirurgische Komplexität
  • höherer Patientenkomfort

Studien zeigen ein minimales vertikales Remodeling (teilweise nur 0,1–0,7 mm) bei offener Ridge Preservation mit xenogenen Knochenersatzmaterialien und Kollagenmembranen.2,9


Biologische Grundlagen bestätigen den klinischen Erfolg

Die positiven klinischen Ergebnisse lassen sich durch das biologische Verhalten der Materialien erklären:

Xenogene Knochenersatzmaterialien

  • bieten ein stabiles osteokonduktives Gerüst1,2,4
  • erhalten das Volumen durch langsame Resorption1,2,4
  • unterstützen die langfristige Implantatstabilität1

Native Kollagenmembranen

  • integrieren rasch in das Wirtsgewebe4
  • fördern eine frühe Vaskularisation4
  • unterstützen eine komplikationslose Heilung2-4

Kollagenmatrices

  • verbessern die Weichgewebsqualität1,5
  • reduzieren den Bedarf an autologen Transplantaten5
  • senken die Patientenmorbidität5

Zusammen bilden diese Komponenten ein umfassendes, auf Extraktionsalveolen zugeschnittenes Konzept der Guided Bone Regeneration.2


Praktische Kernaussagen für den Praxisalltag

✔ Socket Preservation immer erwägen, wenn eine Implantation geplant ist
Die Evidenz spricht klar für den frühzeitigen Kammerhalt.

✔ Xenogene Knochenersatzmaterialien + Kollagenmembran sind eine vorhersagbare Kombination
Sie schneiden in klinischen Studien konsistent besser ab als viele Alternativen.

✔ Offene Heilung zur Reduktion chirurgischer Eingriffe nutzen
Weniger Morbidität, weniger Komplikationen, bessere Ästhetik.

✔ Im posterioren Oberkiefer kann Ridge Preservation Sinuslifts vermeiden
Ein wesentlicher Vorteil zur Reduktion von Behandlungszeit und Kosten.

✔ Langzeitdaten bestätigen DBBM-basierte Socket Preservation
Stabile Knochenverhältnisse und exzellente Weichgewebsergebnisse auch nach über sieben Jahren.


Fazit

Die Ridge Preservation ist ein zentraler Bestandteil der modernen Implantologie. Die starke Evidenzlage und zahlreiche klinische Studien zeigen, dass die Socket Preservation mit Biomaterialien wie xenogenen Knochenersatzmaterialien, Kollagenmembranen und Kollagenmatrizen die Extraktionsalveole schützt und spätere Implantationen vereinfacht. Diese Konzepte unterstützen stabile funktionelle und ästhetische Ergebnisse und tragen maßgeblich zu einem vorhersagbaren langfristigen Behandlungserfolg bei.


Referenzen

  1. Batas L, et al.: Dent J (Basel). 2024 Mar 20;12(3):80. (Klinische Studie)
  2. Cardaropoli D, et al.: Int J Periodontics Restorative Dent. 2012 Aug;32(4):421-30. (Klinische Studie)
  3. Cha JK, et al.: Clin Oral Implants Res. 2019 Jun;30(6):515-523. (Klinische Studie)
  4. Scheyer ET, et al.: J Clin Periodontol. 2016 Dec;43(12):1188-1199. (Klinische Studie)
  5. Fickl S, et al.: Int J Periodontics Restorative Dent. 2018 Jan/Feb;38(1):e1-e7. (Klinische Studie)
  6. Weng D, et al.: Eur J Oral Implantol. 2011 Jan;4(Suppl):59-66. (Systematisches Review)
  7. Romano F, et al.: Int J Periodontics Restorative Dent. 2019 Mar/Apr;39(2):245-251. (Fallserie)
  8. Iorio-Siciliano V, et al.: Int J Periodontics Restorative Dent. 2017 Sep/Oct;37(5):e290-e296. (Klinische Studie)
  9. Ionescu A, et al.: Biology (Basel). 2022 Jan 14;11(1):142. (Klinische Studie)

 


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